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Igor Nagavkin

Igor Nagavkin

Ich bin Ich bin Menschenrechtsverteidiger aus der Stadt Kalatsch am Don und bin bereits seit 1,5 Jahren in Haft basierend auf arrangierter Anklage im Zusammenhang mit meinen Menschenrechtsaktivitäten..

Igor Nagavkin (geb. 18.5.1980) ist Menschenrechtsverteidiger aus der Stadt Kalatsch am Don, welche in der Region Wolgograd liegt im Südwesten Russlands.Mehr als 10 Jahre hat Igor sich mit der Verteidigung der Rechte von Häftlingen, sowie dem Kampf gegen Folter und der Korruption, welche bis in die polizeilichen Kreise reicht, beschäftigt. Er war Vorsitzender einer Organisation in Wolgograd für die soziale und juristische Unterstützung von Häftlingen und Gefangenen, ist aufgetreten als Gutachter für die Bewegung "Für Menschenrechte" und in der Stiftung "Für die Verteidigung von Rechten von Häftlingen". Er war ebenso Mitglied des Sachverständigenrats des russischen Ombudsmannes.

Igor Nagavkin ist Menschenrechtsverteidiger geworden nachdem sein jüngerer Bruder in Haft verstorben ist aufgrund der Nicht-Behandlung eines entzündeten Blinddarms. Aufgrund dessen hat Nagavkin, als nicht fertig studierter Jurist und traumatisierte von seinem Verlust, angefangen juristische Beratung und Unterstützung für Gefangene und deren Familien anzubieten und begonnen die auf Folter und häufige Todesfälle der Häftlinge in Sträflingskolonien und Strafanstalten aufmerksam zu machen.

Seine Menschenrechts- und Anti-Koruptionsaktivitäten haben zu anfänglichen Konflikten mit den örtlichen Behörden geführt. Im Jahr 2011 wurde er wegen versuchten Diebstahls eines Verkehrspolizisten angezeigt, der im Jahr 2010 hätte stattgefunden haben soll. Das Gericht hat nicht berücksichtigt, dass Igor Nagavkin ein Alibi hatte - zum Zeitpunkt des Diebstahls war er mit seiner Familie in einem Café - und entschied, dass er eine Geldstrafe von 15 000 Rubel zahlen müsse.

Nagavkin blieb jedoch in seinen Menschenrechtsaktivitäten unbeirrt, was zu weiteren Konflikten mit den Behörden führte. Eine Woche vor seiner Verhaftung wurde ihm mit strafrechtlicher Verfolgung gedroht falls er nicht "seine Aktivitäten gegen den Hauptmann der Polizeistation in Kalatsch, dem Direktor der Verkehrspolizei und dem Vorsitzenden der Gerichts Kalatsch beende". Im Zusammenhang mit dieses Drohungen hat Igor beschlossen für einige Zeit die Stadt zu verlassen, dazu hatte er jedoch nicht genügend Zeit. In der Nacht des 28. auf den 29. September 2016 wurde er festgenommen und anschließend verhaftet für eine angebliche Mittäterschaft mit der Absicht des Ausrauben eines Pfandhauses. Sollte er schuldig gesprochen werden, so drohe im bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe. Genau wie im vorherigen Fall sind hier die Prozeduren als fraglich und fehlerhaft anzusehen und die von der Polizei vorgelegten "Beweise" scheinen gestellt und manipuliert zu sein.

Bei der Durchsuchung der Wohnung von Nagavkins Mutter hat die Polizei zum Beispiel zwei Zimmer gleichzeitig durchsucht, untereinander Dinge aus Räumen getauscht, sodass die Familie den Überblick darüber verloren hatte, was gerade passiert. Die Familie ist überzeugt, dass die Kette mit einem Kreuzanhänger, welche in ihrer Wohnung gefunden wurde, dort von der Polizei deponiert wurde. Laut der Nagavkins Lebensgefährtin hat die Polizei beide Schrankseiten gleichzeitig durchsucht und im Moment, als ein anderer Polizist ihrer Aufmerksamkeit beanspruchte, hat der andere Polizist einige Schmuckstücke mit Preisschildern "gefunden". Später wurden diese Schmuckstücke als gestohlen identifiziert, allerdings aus einem anderen Pfandhaus. Im Fall gibt es auch Unstimmigkeiten bezüglich der Beschreibung des Tathergangs und in der Aussage des Pfandhausbesitzers. Laut der Aussage der Polizei wurde in das Pfandhaus gewaltsam durch die Tür aus Plastik eingebrochen. Dies wurde jedoch vom Besitzer nicht bestätigt. Die äußere Metalltür und die darauffolgende Holztür seien abgeschlossen. Von einer Plastiktür war nicht die Rede.

Igor Nagavkin ist nun seit mehr als 1,5 Jahren in Untersuchungshaft, obwohl die Straftat, die er begangen haben soll, viel mildere Präventionen ermöglicht wie z.B. die Auflage die Stadt nicht verlassen zu dürfen. Zu Anfang wurde er in der Strafanstalt in Wolgograd festgehalten, am 10. April 2017 wurde er in das Moskauer Gefängnis Butyrka überführt unter dem Vorwand, dass einer der Mitangeklagten noch wegen einer weiteren Straftat angeklagt sei, welche in Moskau untersucht wird.

Mindestens zweimal schon hat Nagavkin einen Hungerstreik gehalten um so gegen seine Inhaftierung und die Tatenlosigkeit der Ermittlungen zu protestieren. Am 14. Dezember 2017, vor der Anhörung am Moskauer Stadtgericht bezüglich seiner Haftvrlängerung, wurden Nagavkin und seine Mitangeklagten ausgezogen, geschlagen und ihnen wurde mit Vergewaltigung durch eine Gummikeule gedroht. Die Wache soll Nagavkin jedes mal gedroht haben, bevor er an das Moskauer Stadtgericht gebracht werden sollte. Nagavkin hat dem Gerichtet von den Prügeln geklagt mit Vorzeigen seiner blauen Flecke. Dieser hatte lediglich erwidert, dass "so etwas passiert", und schickte Nagavkin zurück in die Haft bis zum 16. März 2018. Auf die Prügel haben im Gerichtssaal weder der Staatsanwalt noch der Ankläger reagiert.

Da Igor seine Haft bereits zweimal verlängert wurde - bis 13. März und bis. 12. April 2018 - und er dadurch bereits mehr als 18 Monate in Haft sitzt, wurde die russische Strafprozessordnung verletzt. Die Ermittlungen dauern weiter an.

Amnesty International ist überzeugt, dass der Fall von Igor Nagavkin arrangiert wurde und dass er lediglich wegen seiner legalen Menschenrechtsaktivitäten verfolgt wird. Er muss unverzüglich entlassen werden, sowie müssen alle Anklagen fallen gelassen werden.